Hinweise zum Corona­virus SARS-CoV-2

Abstand

Hygiene

Atemschutz

Das Corona­virus mit dem Namen »SARS-CoV-2« hat sich welt­weit aus­gebreitet. Es kann zu einer Lungen­erkrankung führen, die »COVID-19« genannt wird. Es können grippe­artige Symptomen mit Fieber, Kopf­schmerz, Geruchstörung, Husten und Kurz­atmigkeit auftreten, teils geht die Infektion aber auch ganz ohne Symptome einher. Das Vollbild der Erkrankung ist eine schwere Lungen­entzündung, die eine Behandlung auf einer Intensiv­station erfordert. Das Virus, besonders die aktuelle »Delta­variante«, ist sehr ansteckend. Daher ist es wichtig, dass Sie mit Erkältungs­beschwerden nicht unsere Praxis betreten. Mittlerweile haben mehrere Impf­stoffe gegen das Virus eine bedingte Markt­zulassung für ein Jahr erhalten, weil sie einen guten Schutz gegen schwere Verläufe nachweisen konnten. Innerhalb dieses Jahres sind die Hersteller verpflichtet, weitere Studien durchzuführen. Von der STIKO wurde für alle Menschen ab 12 Jahren empfohlen, sich impfen lassen. Sehr wichtig ist die Impfung auch bei vielen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Dazu gehören u. a. Auto­immun­erkrankungen (z. B. Multiple Sklerose oder Myasthenia gravis), Erkrankungen mit Einschränkung der Mobilität durch neurologische Erkrankungen (z. B. Muskel­erkrankungen oder nach Schlag­anfall), sowie schwere Depression, Schizophrenie und Demenz, da eine Infektion mit »SARS-CoV-2« dann schwerer verlaufen kann.

Stand: 4. November 2021 — Michael Vorwerg & Anna Maria Straub

Allgemeine Infektions­schutz-Maßnahmen

In unserer Praxis bitten wir Sie, auch weiter­hin die allgemeinen Schutz­maßnahmen zu beachten: Abstand halten, Hygiene beachten, FFP2-Atem­schutz­maske tragen (»AHA-Regeln«). Aufgrund des begrenzten Raumes in der Praxis bitten wir, nur eine Begleit­person mit­zu­bringen. Wir haben im Eingangs­bereich der Praxis Spender für Hände­desinfektion auf­gestellt, die Sie beim Betreten der Praxis nutzen sollen. Wenn Sie husten oder niesen müssen, dann tun Sie dies bitte in ein Einweg­taschen­tuch (und ent­sorgen dieses umgehend) oder not­falls in Ihre Arm­beuge (nicht in die Hand, nicht in den Raum und nicht in Richtung anderer Menschen). Bitte waschen Sie sich im Anschluss daran stets gründlich die Hände. Das Tragen einer FFP2-Atem­schutz­maske ist in unserer Praxis eine Selbst­verständlichkeit.

Termine, Rezepte und Verordnungen

Bislang konnten wir die Praxis trotz der Corona­virus-Pandemie durch die allgemeinen Maßnahmen durchgehend offen halten. Die Sprech­zeiten werden sich hoffentlich auch weiterhin nicht ändern. Es kann jedoch erforder­lich sein, dass wir Termine kurz halten. In Einzel­fällen können Unter­suchungen nach ärztlicher Ein­schätzung ver­schoben werden. Die Aus­stellung von Folge­rezepten oder Dauer­ver­ordnungen kann kurz­fristig nach ärztlicher Prüfung er­folgen. Ein Termin ist hier­für nicht zwingend er­forder­lich sofern Sie im aktuellen Quartal bereits ein­mal bei uns waren. Bitte be­achten Sie, dass Medikamente für maximal ein Quartal ver­ordnet werden können.

Bei Verdacht auf Infektion

Sollten Sie mit Fieber, Husten und Kurz­atmig­keit erkranken, dann möchten wir Sie bitten, nicht in unsere Praxis zu kommen. Bereits bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona­virus SARS-CoV-2 sollten Sie zu Hause bleiben und von dort aus Ihren Haus­arzt, den kassen­ärztlichen Not­dienst (Tel. 116 117) oder direkt die Corona­virus-Hotline der Berliner Gesundheits­verwaltung (Tel. 030 90 28 28 28, täglich 8-20 Uhr) anrufen.

Impfung gegen SARS-CoV-2

Wir wissen, dass die Corona­virus­-Pandemie nur dann endet, wenn möglichst viele Menschen geimpft sind, weil sich das Virus dann nicht mehr verbreiten kann. Nachdem mittlerweile genug Impf­stoff vorhanden ist, sollten sich möglichst alle Menschen ab 12 Jahren impfen lassen. Zu Beginn der Impfungen Anfang 2021 waren Impfstoffe nur in begrenzter Menge vorhanden. Deshalb sind zunächst die Menschen geimpft worden, die besonders gefährdet sind, einen schweren Verlauf der COVID-19 Krankheit zu erleiden. Dies sind vor allem betagte Menschen oder jene mit internistischen Erkrankungen wie Blut­hoch­druck, Diabetes mellitus oder Lungen­erkrankungen. Zu den »Risiko­gruppen« zählen aber auch Menschen mit nerven­ärztlichen Erkrankungen wie mit Demenz, Mobilitäts­einschränkung durch Muskel­erkrankungen oder nach Schlag­anfall, Auto­immun­erkrankungen wie z. B. Multipler Sklerose, schwerer Depression oder Schizophrenie.

Mittlerweile stehen mehrere Impf­stoffe zur Verfügung, die mit hoher Wirksamkeit insbesondere gegen schwere Verläufe schützen. Alle diese Impf­stoffe wurden neu entwickelt. Sie erhielten in der EU wegen der Dringlichkeit aufgrund der Pandemie eine bedingte Zulassung und befinden sich noch immer in der wissen­schaftlichen Beobachtungs­phase. Weil der Impf­schutz mit der Zeit nach­lässt, empfiehlt die STIKO eine Auffrischungs­impfung für Risiko­gruppen und medizinisches Personal mindestens 6 Monate nach der ersten Impf­serie mit einem mRNA-Impfstoff. Es ist zu hoffen, dass die Impf­bereitschaft jetzt nicht nachlässt, weil in den bevorstehenden kälteren Jahres­zeiten höhere Ansteckungs­zahlen erwartet werden.

SARS-CoV-2 Bild: Coronavirus SARS-CoV2. Public domain (2020). Erstellt von Alissa Eckert und Dan Higgins für die US-amerikanische Gesundheits­behörde »Centers for Disease Control and Prevention« (CDC). Die Abbildung wurde elektronen­mikroskopischen Aufnahmen des Virus nach­empfunden. Original­datei in der Public Health Image Library (PHIL). Die hier verwendete Version wurde am 15. März 2021 von wikimedia.org geladen.

Alle in der EU zur Verfügung stehenden Impf­stoffe haben zum Ziel, unser Immun­system auf die Spike­proteine des Corona­virus SARS-CoV-2 aufmerksam zu machen und gegen diese zu immunisieren. Spike­proteine sind die dunkel­roten »Anhängsel«, die den Coronaviren ihr charakteristisches Aussehen geben. Obwohl sie »Spikes« heißen (engl. für Spitze, Stachel oder Dorn), sehen sie nicht sehr stachelig aus (eher »puschelig«). Mit ihrer Hilfe können die Corona­viren in unsere Körper­zellen eindringen.

Alle Impf­stoffe veranlassen unseren Körper, jene Spike­proteine selbst herzustellen. Diese werden dann vom Immun­system erkannt und attackiert. Dabei entsteht die sogenannte »Impf­reaktion«: Schmerzen an der Einstich­stelle am Oberarm, Krankheits­gefühl oder erhöhte Temperaturen. Diese Impf­reaktion tritt nicht bei allen Geimpften auf, ist aber häufig. Während­dessen bilden die weißen Blut­zellen (sogenannte Lympho­zyten) Antikörper gegen die Spike­proteine aus. Einige der Lympho­zyten wandeln sich im Anschluss in »Gedächtnis­zellen« um.

Wenn nach der Impfung Corona­viren im Körper entdeckt werden, werden ruhende Gedächtnis­zellen rasch reaktiviert. Dabei entstehen sehr viele Lympho­zyten, die wiederum massen­haft Antikörper zur Verfügung stellen. Diese »Waffen« attackieren die Viren an dessen schwächster Stelle: den Spike­proteinen.

Doch gelegentlich kommt es zu Neben­wirkungen, die zunächst nicht vorauszusehen waren. So wurden nach Impfung mit den Vektor­viren-Impfstoffen von AstraZeneca »Vaxzevria« und von Johnson & Johnson-Impfstoff »COVID-19 Vaccine Janssen« Thrombosen (auch im Kopf) und verminderte Blut­plättchen (Thrombo­zyten) beobachtet. Auch unter den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer »Comirnaty« und Moderna »Spikevax« fielen seltene Neben­wirkungen auf, etwa allergische Reaktionen und bei Kindern und Jugendlichen Herzmuskel­entzündungen. Selbst wenn diese Neben­wirkungen selten sind und meist harmlos verlaufen ist es wichtig sie zu kennen. Daher sollten unerwartete Symptome dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet werden. Bitte sprechen Sie uns bei neuartigen Beschwerden wie Kopf­schmerzen, neurologischen Ausfall­symptomen, Brust­schmerz oder Herz­rasen im Zusammenhang mit einer Impfung an.

mRNA-Impfstoffe (BioNTech, Moderna)

Der Impfstoff von BioNTech/Pfizer »Comirnaty« erhielt bereits im Dezember 2020 als erster Impfstoff gegen Corona­viren eine bedingte Markt­zulassung in der EU. Der Impfstoff von Moderna »Spikevax« folgte im Januar 2021. Beide sind für Menschen ab 12 Jahren zugelassen.

Die Impfstoffe sind sich sehr ähnlich. Sie bestehen aus »Boten-RNA-Molekülen« (mRNA), die in kleine Fettkügelchen (sogenannte »Lipid­nano­partikel«) eingepackt sind. Die Fettkügelchen sind notwendig, um die instabilen mRNA-Moleküle zu schützen und in die Muskel­zellen am Oberarm zu schleusen. Sie unterscheiden sich minimal in der genauen Zusammen­setzung, was aber am Prinzip keinen Unterschied macht. Sie verschmelzen mit den Ziel­zellen und geben ihren Inhalt (die mRNA mit dem Bauplan für das Spike­protein) in die Muskel­zelle frei.

Die mRNA ist ein (in jeder Ihrer Körper­zellen vorkommendes) »Boten­molekül«, das genetische Information aus dem Zellkern zu den Produktions­stätten für Eiweiße (den sog. »Ribosomen«) bringt. Weil Muskel­zellen einen hohen Eiweiß­stoff­wechsel haben liegen stets sehr viele verschiedene mRNA-Moleküle in jeder Zelle vor. Sie werden nach Verwendung rasch wieder abgebaut. Dies geschieht auch mit der mRNA der Impfstoffe. Schon nach wenigen Stunden sind sie nicht mehr im Körper nachzuweisen.

Beide Impf­stoffe führen zur Herstellung von Spike­proteinen der Corona­viren (SARS-CoV-2). Die mRNA unterscheidet sich bei den beiden Impf­stoffen minimal, was jedoch keinen bislang nachweis­baren Unter­schied in der Wirksamkeit oder Verträglichkeit ausmacht. Während der Impf­reaktion werden die Spike­proteine (und wahrscheinlich auch einige Muskel­zellen) zerstört. Nach zwei bis drei Tagen ist kein Spike­protein mehr im Muskel nachweisbar.

Die Verträglichkeit der mRNA-Impfstoffe ist gut, die üblichen Impf­reaktionen sind unserer Erfahrung nach weniger stark ausgeprägt als bei den Vektor­viren-Impf­stoffen. Nachdem die Impfung auch für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen wurde, sind vereinzelt Fälle von Herzmuskel­entzündungen aufgefallen. Daher soll auch bei jüngeren Erwachsenen auf Beschwerden wie Brust­schmerz, Herz­rasen, Leistungs­knick oder Wasser­einlagerungen in die Beine geachtet werden. Sehr selten treten direkt nach der Impfung allergische Reaktionen auf, weshalb eine Nach­beobachtung für 15 bis 45 Minuten notwendig ist.

Die Wirksamkeit ist gegen alle grassierenden Virus­mutationen hoch, jedoch nur wenn zwei Impfungen erfolgt sind.

Vektorviren-Impfstoffe (AstraZeneca, Johnson&Johnson)

Zunächst klingt es seltsam, mit (Vektor-) Viren gegen (Corona-) Viren zu impfen. Man nutzt bei beiden Impf­stoffen Adeno­viren, die den geimpften Muskel »infizieren«. Das ist nötig, um den »eigentlichen« Impf­stoff, ein Stück DNS, in den Zell­kern der Muskel­zellen zu schmuggeln. Die DNS enthält den »Bauplan« des Spike­proteins des Coronavirus SARS-CoV-2. Im Gegensatz zu anderen Viren wird die DNS nicht in unsere eigene DNS integriert. Sie wird dennoch bis in den Zell­kern geschleust und dort zu »messenger RNA« (mRNA) abgelesen. Die mRNA wiederum dient als »Boten­molekül« innerhalb der Zelle. Sie reicht den Bauplan des Spike­proteins aus dem Zellkern heraus in den Zellkörper weiter. Dort werden schließlich exakt nach diesem Bauplan jene Spike­proteine produziert, die eine Immun­reaktion auslösen, die für eine Impfung erforderlich ist. Die infizierten Muskel­zellen werden dabei wahrscheinlich zerstört, sodass nach etwa drei Tagen keine Vektor­viren oder Spike­proteine mehr im Körper nachweisbar sind.

Der Impf­stoff des britisch-schwedischen Pharma­unternehmens AstraZeneca »Vaxzevria« erhielt im Januar 2021 in Europa eine bedingte Markt­zulassung. Vaxzevria enthält als Vektor ein Adeno­virus, um den Bauplan der Spike­proteine des Corona­virus SARS-CoV-2 in die Muskel­zellen der Geimpften zu schleusen. Weil solche Adeno­viren sehr häufig vorkommen sind viele Menschen gegen diese bereits immun. Um sie dennoch als Impfstoff nutzen zu können wurden Adeno­viren verwendet die »eigentlich« Schimpansen befallen. Gegen Schimpansen­adeno­viren sind Menschen in der Regel nicht immun. Das Virus wurde so verändert, dass es sich nicht vermehren kann. Es wurde an der Universität von Oxford entwickelt und trägt den Namen »ChAdOx1«.

Der Impfstoff des belgischen Pharma­unternehmens Janssen (welches zum US-amerikanischen Pharma­konzerns Johnson & Johnson gehört) erhielt im März 2021 in der EU unter dem Handels­namen »COVID-19 Vaccine Janssen« eine bedingte Markt­zulassung. Häufig wird er als Johnson & Johnson Impfstoff bezeichnet. Als Vektor­virus nutzt dieser Impf­stoff ein Adeno­virus vom Typ 26 mit dem Namen »Ad26.COV2.S«. Es gelang, dieses humane Virus, also eines das sich auf Menschen »spezialisiert« hat, als Vektor zu nutzen. Es wurde im Labor so verändert, dass es sich nicht vermehren kann. Der Vorteil des Impf­stoffes ist, dass er auch bei einer einzelnen Impf­dosis eine gute Wirksam­keit erreicht.

Die Verträglichkeit der beiden Vektor­viren­impf­stoffe ist gut. Wie bei vielen Impfungen treten häufig Schmerzen an der Injektions­stelle, grippale Symptome wie Kopf­schmerzen, Krankheits­gefühle, Abgeschlagen­heit oder Fieber auf. Diese können Stunden bis wenige Tage anhalten.

Nachdem vereinzelte Fälle von Blutgerinnseln im Kopf (»Hirn­sinus­thrombosen«) aufgetreten waren, wurde die Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff »Vaxzevria« im März 2021 vorüber­gehend ausgesetzt, im April die Lieferungen des Impf­stoffes COVID-19 Vaccine Janssen von Johnson & Johnson vorüber­gehend gestoppt. Weil das Risiko jedoch als sehr gering eingeschätzt wurde, anderer­seits eine COVID-19 Krankheit mit höherem Risiko auftritt und zudem insgesamt zu wenig Impf­stoff vorhanden war, wurde die Impfung für Menschen über 65 Jahren wieder aufgenommen. Menschen unter 65 Jahren, die als Erst­dosis AstraZeneca-Impfstoff erhielten, sollen als Zweit- bzw. Auffrischungs­impfung einen mRNA-Impfstoff erhalten. Diese Kombination gilt als besonders wirksam.

Die Wirksam­keit ist gegen alle grassierenden Virus­mutationen ausreichend und schützt zumindest vor einem schweren Verlauf der COVID-19-Krankheit. Ein leichter Verlauf kann jedoch nicht immer vermieden werden.

Immun­therapie, Infektions­risiko und Impfung

Wir behandeln in unserer Praxis auch Menschen mit sogenannten Auto­immun­erkrankungen wie z. B. Multiple Sklerose oder Myasthenia gravis. Solche Erkrankungen haben gemeinsam, dass sie durch eine Fehl­funktion des eigenen Immun­systems entstehen. Grob gesagt bildet der Körper »aus Versehen« Antikörper gegen eigene Körper­zellen und attackiert diese. Die häufigste dieser Erkrankungen ist in unserer Praxis die Multiple Sklerose. Etwa jeder tausendste Mensch in Europa ist von dieser Erkrankung betroffen.

Die Behandlung der Auto­immun­erkrankungen hat zum Ziel, das Immun­system zu bremsen und wird als Immun­therapie bezeichnet. Es gibt mittlerweile sehr viele verschiedene Immun­therapien mit sehr unterschiedlichen Wirk­weisen.

Manche Immun­therapien können die Abwehr von Bakterien und Viren schwächen. So sind vor Beginn einer Behandlung Impfungen gegen Tetanus, Diphterie, Keuch­husten, Masern, Röteln, Mumps, Windpocken­virus (Varizella zoster), Influenza und nun auch gegen COVID-19 empfohlen. Besonders unter einer Therapie mit Medikamenten wie Cladribin, Alemtuzumab, Ocrelizumab, Ofatumumab oder Rituximab ist das Risiko eines schweren Verlaufes der COVID-19-Krankheit ohne Impfung erhöht.

Nach aktuellem Wissens­stand führt die Impfung nicht zu einem erhöhten Risiko der Reaktivierung von Auto­immun­erkrankungen. Beispiels­weise ergaben sich bislang keine Hinweise darauf, dass die Impfung gegen COVID-19 Schübe einer Multiplen Sklerose auslöst. Genau dieses Risiko besteht jedoch für den »normalen« Verlauf von Infektions­krankheiten, weshalb der Schutz durch Impfungen sehr wichtig ist.

Auch für MS-Erkrankte wird eine Impfung ab dem 12. Lebens­jahr empfohlen. Zudem wird zu einer dritten Impfung geraten, wenn die Auto­immun­erkrankung zu körperlicher Einschränkung geführt hat, eine Immun­therapie mit Medikamenten wie Ocrelizumab, Rituximab, Fingolimod oder Ozanimod erfolgt, oder nach der Impfung keine Anti­körper gegen Corona­viren im Blut nachweisbar sind.

Viele Immun­therapien stören die Impf­reaktion, sodass kein ausreichender Schutz gegen die COVID-19-Krankheit aufgebaut werden kann. Um doch einen Impfschutz zu erzielen wurden Alternativen wie das Unterbrechen der Immun­therapie für die Impfung oder eine dritte Impfung diskutiert. Weil noch nicht ausreichend Wissen um den richtigen Weg vorliegt, konnte noch kein endgültiges Konzept erarbeitet werden. In unserer Praxis besteht jedoch der Konsens, dass laufende Immun­therapien nicht unterbrochen werden sollten. Daher werden wir niedrig­schwellig eine dritte Impfung erwägen. Dieses Vorgehen wird auch von Experten empfohlen.

Für einen kurzen Überblick folgen bislang vorliegende Erkenntnisse zu den von uns am häufigsten eingesetzten Immun­therapien (in Anlehnung an die Empfehlungen von Prof. Dr. med. Ralf Gold und Prof. Dr. med. Judith Haas)

Azathioprin (z. B. Imurek)

Unter Therapie mit Azathioprin ist das Infektions­risiko mit mit SARS-CoV-2 erhöht, was möglicher­weise von der Dosis und der Anzahl der Lympho­zyten im Blut abhängt. Auch ist die Impfung gegen COVID-19 möglicher­weise nicht ausreichend wirksam, weshalb wir eine dritte Impfung erwägen.

Cladribin (Mavenclad)

Die Therapie mit Cladribin erhöht durch Verminderung der Lympho­zyten das Infektions­risiko mit SARS-CoV-2. Das Medikament kann auch die Impf­antwort beeinträchtigen. Dennoch konnte nachgewiesen werden, dass nach der Impfung gegen COVID-19 ein gutes Ansteigen der Antikörper besteht. Die Impfung sollte frühestens 4 Monate nach dem letzten Therapie­zyklus erfolgen, idealerweise wenn sich die Lympho­zyten­zahlen normalisiert haben.

Cortison

Unter Cortison­therapie ist das Infektions­risiko mit mit SARS-CoV-2 erhöht, was jedoch von der Dosis abzuhängen scheint. Es ist sinnvoll, während einer hochdosierten »Cortison­stoß­therapie« besonders streng auf Hygiene­maßnahmen zu achten und gegebenenfalls vorübergehend Kontakte zu reduzieren. Cortison kann auch die Impf­reaktion stören. Unter niedrig­dosierter Dauer­medikation erwägen wir eine dritte Impfung. Bei hoch­dosierter Cortison­behandlung soll die Impfung frühestens zwei, besser erst vier Wochen danach erfolgen.

Dimethylfumarat (Tecfidera)

Wenn unter Therapie mit Dimethyl­fumarat eine Verminderung der Lympho­zyten auftritt, dann kann das Infektions­risiko mit SARS-CoV-2 erhöht sein. Bei normalen Lympho­zyten­zahlen wird von keinem erhöhten Risko ausgegangen. Bislang gibt es auch keine Hinweise auf einen verminderten Impf­schutz gegen COVID-19 unter der Therapie mit Dimethylfumarat. Daher kann die Impfung wie bei Gesunden erfolgen, ein ausreichender Schutz kann erwartet werden.

Fingolimod (Gilenya)

Die Therapie mit Fingolimod führt zu einer Verminderung der Anzahl von Lympho­zyten im Blut. Daher ist das Infektions­risiko mit SARS-CoV-2 erhöht. Ebenso stört Fingolimod die Impf­reaktion. In Studien wurde eine stark verminderte, teilweise sogar ganz ausbleibende Produktion von Antikörpern nach Impfung gegen COVID-19 unter Behandlung mit Fingolimod nachgewiesen. Weil eine Unterbrechung der Therapie das Risiko erneuter Krankheits­aktivierung birgt, besteht in unserer Praxis der Konsens, die Therapie fortzuführen. Eine dritte Impfung ist notwendig.

Glatirameracetat (z. B. Copaxone)

Bislang gibt es keine Hinweise auf ein erhöhtes Infektions­risiko mit SARS-CoV-2 oder einen verminderten Impf­schutz gegen COVID-19 unter Therapie mit Glatirameracetat. Daher kann die Impfung wie bei Gesunden erfolgen, ein ausreichender Schutz kann erwartet werden. Wenn möglich sollte die Impfung nicht an einem Therapie­tag erfolgen.

Interferone (z. B. Avonex, Betaferon, Plegridy oder Rebif)

Bislang gibt es keine Hinweise auf ein erhöhtes Infektions­risiko mit SARS-CoV-2 oder einen verminderten Impf­schutz gegen COVID-19 unter Therapie mit Interferonen. Daher kann die Impfung wie bei Gesunden erfolgen, ein ausreichender Schutz kann erwartet werden. Wenn möglich sollte die Impfung nicht an einem Therapie­tag erfolgen.

Natalizumab (Tysabri)

Bislang gibt es keine Hinweise auf ein erhöhtes Infektions­risiko mit SARS-CoV-2 oder einen verminderten Impf­schutz gegen COVID-19 unter Therapie mit Natalizumab. Daher kann die Impfung wie bei Gesunden erfolgen, ein ausreichender Schutz kann erwartet werden. Wenn möglich sollte die Impfung nicht an einem Therapie­tag erfolgen.

Ozanimod (Zeposia)

Die Therapie mit Ozanimod führt zu einer Verminderung der Anzahl von Lympho­zyten im Blut. Daher ist das Infektions­risiko mit SARS-CoV-2 erhöht. Ebenso stört Ozanimod die Impf­reaktion. In Studien wurde eine stark verminderte, teilweise sogar ganz ausbleibende Produktion von Antikörpern nach Impfung gegen COVID-19 unter Behandlung mit Fingolimod nachgewiesen. Dies ist sehr wahrscheinlich auch auf Ozanimod übertragbar. Weil eine Unterbrechung der Therapie ein Risiko erneuter Krankheits­aktivierung birgt, besteht in unserer Praxis Konsens, die Therapie fortzuführen. Eine dritte Impfung ist notwendig.

Ocrelizumab (Ocrevus)

Ocrelizumab verringert die Anzahl der sogenannten »B-Lymphozyten« im Blut. Diese sind für die Anti­körper­produktion zuständig. Es besteht ein erhöhtes Infektions­risiko mit SARS-CoV-2. Ebenso stört die Therapie die Impf­reaktion. Untersuchungen konnten die verminderte Anti­körper­produktion im Blut nachweisen. Unter der Therapie mit Ocrelizumab ist eine Impfung etwa vier bis sechs Monate nach der letzten Infusion empfehlenswert. Zusätzlich erwägen wir eine dritte Impfung.

Ofatumumab (Kesimpta)

Ofatumumab (Kesimpta) verringert die Anzahl der sogenannten »B-Lymphozyten« im Blut. Diese sind für die Anti­körper­produktion zuständig. Es besteht ein erhöhtes Infektions­risiko mit SARS-CoV-2. Ebenso stört die Therapie die Impf­reaktion. Untersuchungen mit Ocrelizumab konnten die verminderte Anti­körper­produktion im Blut nachweisen. Dies ist sehr wahrscheinlich auf Ofatumumab übertragbar. Für das neu zugelassene Medikament Ofatumumab gibt es derzeit noch keine konkrete Impf­empfehlung, wir erwägen jedoch auch hier eine dritte Impfung.

Ponesimod (Ponvory)

Die Therapie mit Ponesimod führt zu einer Verminderung der Anzahl von Lympho­zyten im Blut. Daher ist das Infektions­risiko mit SARS-CoV-2 erhöht. Ebenso stört Ponesimod die Impf­reaktion. In Studien wurde eine stark verminderte, teilweise sogar ganz ausbleibende Produktion von Antikörpern nach Impfung gegen COVID-19 unter Behandlung mit Fingolimod nachgewiesen. Dies ist sehr wahrscheinlich auch auf Ponesimod übertragbar. Weil eine Unterbrechung der Therapie ein Risiko erneuter Krankheits­aktivierung birgt, besteht in unserer Praxis Konsens, die Therapie fortzuführen. Eine dritte Impfung ist notwendig.

Siponimod (Mayzent)

Die Therapie mit Siponimod führt zu einer Verminderung der Anzahl von Lympho­zyten im Blut. Daher ist das Infektions­risiko mit SARS-CoV-2 erhöht. Ebenso stört Siponimod die Impf­reaktion. In Studien wurde eine stark verminderte, teilweise sogar ganz ausbleibende Produktion von Antikörpern nach Impfung gegen COVID-19 unter Behandlung mit Fingolimod nachgewiesen. Dies ist sehr wahrscheinlich auch auf Siponimod übertragbar. Weil eine Unterbrechung der Therapie ein Risiko erneuter Krankheits­aktivierung birgt, besteht in unserer Praxis Konsens, die Therapie fortzuführen. Eine dritte Impfung ist notwendig.

Teriflunomid (Aubagio)

Bislang ist unter Therapie mit Teriflunomid kein erhöhtes Infektions­risiko mit SARS-CoV-2 bekannt. Teriflunomid kann jedoch durch Verminderung der Lymphozyten im Blut die Impf­reaktion stören. Bislang ist noch nicht ausreichend bekannt, ob ein ausreichender Schutz gegen COVID-19 erzielt wird. Wir erwägen eine dritte Impfung.

Weiterführende Informationen

COVID-19 App der Charité zur Risikoeinschätzung
Untersuchungsstellen Coronavirus in Berlin
Informationen des Berliner Senates zum Corona-Virus
Informationen des Berliner Senates zu Impfungen gegen Coronavirus
Informationen des Robert-Koch-Institutes (RKI) zum Corona-Virus
Informationen auf der Wikipedia zum Corona-Virus
Informationen des Bundes zu den Impfstoffen
Informationen auf der Wikipedia zu den Impfstoffen
Informationen der DMSG (Multiple Sklerose Gesellschaft) zu Impfungen